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Wenn aus Zuhören Mitmachen wird: 4 Methoden für lebendige Workshops

4 Minuten Lesezeit • Geschrieben von Tim Birrer
Wenn aus Zuhören Mitmachen wird: 4 Methoden für lebendige Workshops

Die besten Ideen entstehen gemeinsam. Genau deshalb sind interaktive Workshops so wertvoll. Vor rund drei Jahren erklärte Camille, Webprojektleiterin bei instride, im Blogbeitrag «Wie Workshops Grosses verändern», auf welche Weise Workshops bei uns entstehen, und stellte einige bewährte Workshopmethoden vor. In meinem Berufsalltag als Mediamatiker durfte ich seither weitere spannende Methoden kennenlernen, die diese Liste perfekt ergänzen. Vier davon haben mich besonders überzeugt. Höchste Zeit also für ein kleines Update. In diesem Beitrag erfährst du, welche Methode sich wann eignet und wie du sie einfach einsetzen kannst.

Workshop? Was war das nochmal?

Ein Workshop bringt Menschen zusammen, um gemeinsam an einem konkreten Thema zu arbeiten, Ideen auszutauschen und Lösungen zu entwickeln. Im Gegensatz zu einem klassischen Vortrag steht nicht das Zuhören im Mittelpunkt, sondern die aktive Beteiligung aller Teilnehmenden. Durch verschiedene Perspektiven können neue Ideen und spannende Lösungsansätze entstehen.

Aber genug von der Theorie: Wie bereits erwähnt, stelle ich dir in den nächsten vier Abschnitten Methoden vor, die sich in der Praxis bewährt haben und Workshops mit mehr Kreativität, Interaktion und Dynamik bereichern.

Postkarten-Methode

Bilder erleichtern Menschen den Einstieg ins Gespräch, regen persönliche Geschichten an und ermöglichen es, neue Seiten aneinander zu entdecken. Genau darin liegt die Idee der Postkarten-Methode: Sie schafft einen kreativen Einstieg und sorgt schnell für eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre. Alles, was du dafür brauchst, sind verschiedene Postkarten oder Bilder – idealerweise etwa doppelt so viele wie Teilnehmende.

So funktioniert’s

Die Technik lässt sich auf unterschiedliche Arten durchführen. Nachfolgend findest du einen Ablauf, der sich in meiner Praxis besonders bewährt hat:

  1. Bilder auf einem Tisch oder am Boden auslegen.
  2. Die moderierende Person stellt eine passende Fragestellung, zum Beispiel: «Welches Bild beschreibt deine Persönlichkeit am besten und warum?»
  3. Alle Teilnehmenden wählen ein Bild aus und überlegen sich, was sie dazu erzählen möchten.
  4. Anschliessend stellt jede Person ihre Auswahl kurz der Gruppe vor und teilt ihre Gedanken.

Warum funktioniert der Ansatz so gut?

Durch die Methode können die Teilnehmenden spannende Dinge übereinander erfahren und neue Seiten aneinander entdecken, die im gewohnten Austausch oft verborgen bleiben. Auch in Teams, die sich bereits gut kennen, entstehen dadurch neue Perspektiven und überraschende Gespräche.

6-3-5-Methode

Oft passiert in Workshops Folgendes: Die erste gute Idee wird ausgesprochen – und plötzlich drehen sich alle weiteren Vorschläge nur noch um diese eine Richtung. Die 6-3-5-Methode verhindert genau das und ermöglicht es, in kurzer Zeit viele frische Ideen zu sammeln. Für die Durchführung der Methode werden lediglich ein Blatt Papier und ein Stift pro Person benötigt.

Die Methode in der Praxis

Der Ablauf ist einfach und klar strukturiert:

  1. Sechs Personen nehmen teil.
  2. Alle Teilnehmenden notieren drei Ideen auf das eigene Papier.
  3. Nach fünf Minuten wird das Blatt weitergegeben.
  4. Die nächste Person ergänzt oder entwickelt die Ideen weiter.
  5. Der Ablauf wird insgesamt sechsmal wiederholt.

Auch wenn der Name der Methode für sechs Personen, drei Ideen und fünf Minuten pro Runde steht, muss sie nicht exakt nach diesem Schema durchgeführt werden. Das Grundprinzip ist flexibel und lässt sich problemlos an kleinere oder grössere Gruppen anpassen.

Darum lohnt sich die Technik

In nur 30 Minuten entstehen mit diesem einfachen Ansatz über 100 Ideen. Ein weiterer grosser Vorteil: Auch ruhigere Teilnehmende bekommen Raum, ihre Gedanken einzubringen. Gleichzeitig werden Ideen weiterentwickelt und miteinander kombiniert, wodurch oft überraschende neue Lösungsansätze entstehen.

Gruppe bei der Anwendung der 6-3-5-Methode.

Six-Thinking-Hats

In Diskussionen betrachten Menschen ein Thema oft automatisch aus ihrer eigenen Perspektive. Die Six-Thinking-Hats-Methode (sechs Denkhüte) hilft dabei, bewusst unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen und ein Thema strukturierter zu betrachten. Dafür stehen sechs «Hüte» für verschiedene Denkweisen – von Fakten über Risiken bis hin zu kreativen Ideen.

Der Ablauf kurz erklärt

Zusammengefasst läuft die Technik wie folgt ab:

  1. Die moderierende Person stellt ein Thema oder eine Fragestellung vor.
  2. Die Gruppe betrachtet das Thema nacheinander aus verschiedenen Blickwinkeln. Jeder Blickwinkel wird durch einen bestimmten «Hut» symbolisiert und gemeinsam in der Gruppe eingenommen.
  3. Die Erkenntnisse aus den einzelnen Perspektiven werden gesammelt, verglichen und gemeinsam reflektiert.

Die sechs Hüte stehen jeweils für eine bestimmte Denkweise:

  • Weisser Hut: Fakten, Zahlen und vorhandene Informationen sammeln.
  • Roter Hut: Gefühle, Intuition und persönliche Eindrücke einbringen.
  • Schwarzer Hut: Risiken, Probleme und mögliche Stolpersteine erkennen.
  • Gelber Hut: Chancen, Vorteile und positive Aspekte herausarbeiten.
  • Grüner Hut: Kreative Ideen und neue Lösungsansätze entwickeln.
  • Blauer Hut: Den Überblick behalten, den Prozess steuern und nächste Schritte festlegen.

Welche Vorteile bietet die Methode?

Die Technik bringt Struktur in Diskussionen und verhindert, dass nur eine Sichtweise dominiert. Durch den bewussten Perspektivenwechsel entstehen neue Ideen, bessere Argumente und oft überraschende Erkenntnisse.

Dot Voting

Du möchtest schnell Meinungen und Prioritäten in einer Gruppe sichtbar machen? Dann ist Dot Voting (Punktabstimmung) genau die richtige Methode. Die einfache Technik macht Entscheidungen visuell und ermöglicht es, in kurzer Zeit gemeinsame Schwerpunkte zu erkennen. Alles, was du dafür brauchst, sind, wie der Name schon verrät, nur Klebepunkte.

Wie wird’s gemacht?

Nachfolgend findest du vier Schritte, die dir helfen, die Methode erfolgreich anzuwenden:

  1. Ideen oder Themen sichtbar sammeln.
  2. Jede Person erhält eine bestimmte Anzahl an Klebepunkten.
  3. Die Teilnehmenden verteilen ihre Punkte auf die für sie wichtigsten Vorschläge.
  4. Anschliessend werden die Ergebnisse gemeinsam betrachtet und besprochen.

Wenn zusätzlich sichtbar sein soll, wer welche Punkte vergeben hat, können unterschiedliche Farben für verschiedene Personen oder Gruppen verwendet werden.

Der Mehrwert der Methode
Dot Voting ermöglicht eine schnelle Entscheidungsfindung und gibt allen Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Perspektive einzubringen.
Anwendung der Dot Voting-Methode.

Mein Fazit

Workshops leben vom Austausch, von unterschiedlichen Perspektiven und gemeinsamen Ideen. Die vorgestellten Methoden zeigen, wie einfach mehr Interaktion und Kreativität in Gruppen entstehen kann.

Dabei sind sie nicht nur für Workshops geeignet: Mit kleinen Anpassungen lassen sie sich auch in Meetings oder anderen Teamprozessen einsetzen. Sie schaffen neue Impulse, fördern den Austausch und helfen Teams dabei, gemeinsam bessere Lösungen zu entwickeln.