Als Entwickler sitze ich bei der Arbeit täglich etwa acht Stunden vor dem Computer, und eines meiner wichtigsten Werkzeuge ist die Tastatur. Trotzdem habe ich jahrelang meine Finger für Sonderzeichen in unnatürliche Positionen verbogen und gleichzeitig nach Lösungen für meine Nackenschmerzen gesucht.
Was dann folgte, war eine längere Recherche, ein glücklicher Fund auf Ricardo und am Ende eine Tastatur, die ich nicht mehr hergeben möchte.
Der Nacken als Weckruf
Verspannungen im Nackenbereich kennt man, wenn man viel am Computer arbeitet. Die Ursache sucht man meist woanders. Beim Stress, der Haltung, dem falschen Stuhl oder dem übermässigen Kaffeekonsum.
Die Tastatur war nicht mein erster Gedanke, als ich anfing, mich über einen ergonomischeren Arbeitsplatz zu informieren. Erst waren Themen wie die Monitorhöhe, die Sitzhaltung und das Stehpult (das alle Mitarbeitenden bei uns bekommen) im Vordergrund. Bis ich fast nebenbei auf das Thema Tastaturen gestossen bin.
Das Problem ist eigentlich simpel. Die meisten Tastaturen zwingen die Hände dazu, nach innen zu drehen, Richtung Körpermitte. Das klingt harmlos, belastet aber auf Dauer Handgelenke, Unterarme und indirekt auch die Schultern und den Nacken. Wer das acht Stunden täglich macht, fünf Tage die Woche, jahrelang, der merkt es irgendwann.
Von der Standardtastatur zum Split-Keyboard
Eine ergonomische Tastatur ist so gebaut, dass die Hände in einer natürlicheren Position liegen. Das kann auf verschiedene Arten gelöst werden.
Die einfachste Variante ist eine wellenförmige Tastatur, wie die bekannten Modelle von Logitech oder Microsoft. Sie sehen aus wie eine leicht gewölbte Standard-Tastatur, ermöglichen eine etwas entspanntere Handgelenkshaltung und sind ohne grosse Umgewöhnungszeit nutzbar.
Dann gibt es sogenannte «Split-Keyboards», also geteilte Tastaturen. Hier werden die beiden Hälften komplett voneinander getrennt. Jede Hand bekommt ihre eigene Hälfte, die man frei positionieren kann. Das klingt seltsam, fühlt sich nach ein paar Wochen aber absolut natürlich an und macht einen grossen Unterschied.
Die radikalste Variante sind sogenannte «Column-Staggered»-Tastaturen wie die ZSA Voyager (https://www.zsa.io). Dort sind die Tasten in geraden Spalten angeordnet, weil sich Finger nun mal auf und ab bewegen und nicht diagonal wie bei den seit 150 Jahren üblichen versetzten Layouts.
Das versetzte Layout stammt noch aus der Ära der mechanischen Schreibmaschinen. Die Typenhebel waren so angeordnet, dass häufig aufeinanderfolgende Buchstaben räumlich getrennt wurden, um zu verhindern, dass die Metallhebel ineinander verhakten. Ein Kompromiss für eine längst vergessene Mechanik, der bis heute auf beinahe jeder Tastatur der Welt zu finden ist.
Split-Keyboards sind kein Massenprodukt, im nächsten Elektronikmarkt findet man sie nicht. Wer sucht, landet im Internet, und die Auswahl ist überwältigend. Was mir geholfen hat, ist die grosse Community rund um Split-Tastaturen und vor allem die Erfahrungsberichte über Keyboards von ZSA. Trotzdem habe ich mich vor dem Kauf gedrückt: Die Tastaturen von ZSA werden in Taiwan produziert, was Versandkosten, Zoll und Wartezeit bedeutet, und günstig sind sie nicht.
Den letzten Anstoss gab dann der Zufall: Auf Ricardo sah ich eine gebrauchte ZSA Voyager in meiner Nähe, zu einem fairen Preis, und ich musste nicht lange überlegen.
Vom Nackenschmerz zur Split-Tastatur
Die Voyager, die ich auf Ricardo gefunden hatte, wartete bereits zu Hause auf mich. Beim ersten Tippen war mir sofort klar: Das wird eine Weile dauern. Plötzlich lagen meine Hände schulterbreit auseinander, die Unterarme geradeaus statt nach innen. Entspannter, aber völlig ungewohnt.
Jahrelange Tippgewohnheiten waren weg, und ich musste so ziemlich jeden Tastendruck bewusster setzen. Etwa zwei bis vier Wochen übte ich zu Hause, bevor ich mich gut genug fühlte, die Tastatur im Arbeitsalltag einzusetzen. Was mich überraschte: Der erzwungene Neustart liess mich alte Angewohnheiten ablegen, und meine Tippgeschwindigkeit verbesserte sich danach sogar.
Was ein Split-Keyboard wirklich kann
Split-Keyboards lösen nebst einer besseren Haltung ein Problem, das auf normalen Tastaturen kaum diskutiert wird: welcher Finger welche Arbeit macht. Der kleine Finger bedient auf einer Standardtastatur Umschalttaste, Strg, Rücktaste und Enter. Alles Tasten, die man hunderte Male täglich drückt. Bei Split-Tastaturen übernehmen grosse Daumentasten genau diese Aufgaben. Stärkere Finger, weniger Belastung.
Dazu kommt die vollständige Konfigurierbarkeit. Die Voyager hat bewusst weniger Tasten als eine normale Tastatur. Was zuerst wie ein Nachteil klingt, ist eigentlich das Gegenteil: Durch Layers, also umschaltbare Belegungen, sind alle Zeichen erreichbar, ohne die Finger zu verbiegen. Ich nutze einen Layer für Medien, einen für Symbole wie {}, [] oder (), und einen für allgemeine Shortcuts. Der Hyper Key verbindet das Ganze: Mit einer einzigen Tastenkombination wechsle ich direkt zwischen Editor, Terminal und Browser, oder führe andere Aktionen auf dem Computer aus, ohne je zur Maus zu greifen.
Was sich wirklich verändert hat
Nach einigen Monaten mit der Voyager merkte ich, dass sich mein Arbeitsalltag ruhiger angefühlt hat. Die Nackenschmerzen, die mich zur Recherche gebracht hatten, sind deutlich weniger geworden. Das allein wäre den Umstieg wert gewesen.
Aber es kam mehr dazu. Ich greife heute deutlich seltener zur Maus. Durch die konfigurierbaren Layers und den Hyper Key erledige ich vieles direkt über die Tastatur, was ich vorher per Klick gemacht hätte. Programme wechseln, Fenster verschieben, häufige Aktionen ausführen, das geht heute schneller und ohne die Hände von der Tastatur zu nehmen.
Die Tastatur ist nicht mehr nur ein Eingabegerät. Sie ist ein Werkzeug, das ich aktiv auf meinen Arbeitsablauf abstimmen kann.
Fazit
Die Voyager ist meine täglich genutzte Tastatur geworden, und das ist sie geblieben. Was ich besonders schätze: Sie ist schlanker und unauffällig, und macht auf dem Schreibtisch auch optisch eine gute Figur.
Viele stört die Kabellösung nicht weiter. Mich schon ein wenig, ehrlich gesagt, und ich liebäugle bereits mit kabellosen Varianten. Die Reise ist also noch nicht zu Ende.