Hast du dich schon einmal auf einer Website gefragt, was du als Nächstes tun sollst und sie dann einfach wieder geschlossen, weil du nicht weiterwusstest? Oder hattest du Zweifel, ob deine Bestellung oder dein Formular wirklich abgeschickt wurde? Mir ging das schon oft so! 😊 In den meisten Fällen liegt das aber nicht an schlechtem Design oder an technischen Pannen, sondern an Texten, die entweder übersehen werden oder unklar formuliert sind, den sogenannten «Microcopys» (z.B. Fehlermeldungen, Buttons).
UX-Writing sorgt dafür, dass sich Nutzer und Nutzerinnen verstanden fühlen, genau wissen, was zu tun ist und vor allem nicht abspringen. In diesem Beitrag zeigen wir, warum diese «unsichtbaren Texte» so wichtig sind und wie sie eine Website erfolgreicher machen können.
Was ist UX-Writing?
UX-Writing umfasst alle Texte, die uns durch digitale Anwendungen navigieren. Dabei geht es nicht um Werbetexte oder kreative Headlines, sondern um funktionale Sprache. Und diese muss klar, direkt und hilfreich sein. Dazu gehören zum Beispiel:
- Button-Texte («In den Warenkorb», «Jetzt starten»)
- Fehlermeldungen («Oops, etwas ist schiefgelaufen. Bitte versuche es erneut.»)
- Formularhinweise («Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.»)
- Tooltips, Hinweise und Navigationshilfen

Diese Texte bestehen oft nur aus wenigen Wörtern, entscheiden aber mit, ob jemand auf einer Website bleibt oder abspringt.
Warum ist UX-Writing so wichtig?
Gutes UX-Writing verbessert nicht nur die Benutzerfreundlichkeit, sondern auch die Conversion. Es vermeidet Frustration, vermittelt Sicherheit und stärkt das Vertrauen in eine Anwendung, und somit auch in ein Unternehmen. Ein Beispiel: «Weiter» ist ein typischer Button-Text. Aber wohin genau geht es weiter? Was erwartet mich als Nächstes? Klarer und eindeutiger wäre beispielsweise «Weiter zur Zahlungsmethode».
Als ich im Rahmen meines Interaction-Design-Studiums ein Modul zu UX-Writing besucht habe, wurde mir die Wichtigkeit dieser Thematik erst richtig bewusst. Wir haben dabei Formulare, Hinweise und Fehlermeldungen überarbeitet und erlebt, wie stark sich schon einzelne Wörter auf das Nutzerverhalten auswirken können. Genau diese Aha-Momente haben mich sensibilisiert und auch dazu motiviert, diesen Beitrag zu schreiben. Denn UX-Writing wird oft unterschätzt, obwohl es uns täglich begegnet.
Diese Merkmale machen gutes UX-Writing aus
UX-Writing klingt im ersten Moment ganz einfach: Ein paar Text-Schnipsel an den richtigen Stellen platzieren. Wie schwierig kann das schon sein? Aber wer schon mal versucht hat, einen funktionalen Text für eine Anwendung zu schreiben, weiss, dass es alles andere als banal ist.
Denn es reicht nicht, einfach irgendetwas zu formulieren. Es geht darum, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort das Richtige zu sagen. Gutes UX-Writing ist:
- Klar: Keine unnötigen Begriffe oder komplizierten Sätze
- Strukturiert: Informationen dort platzieren, wo sie benötigt werden
- Konsistent: Gleiche Begriffe für gleiche Dinge
- Kontextbezogen: Texte müssen zur jeweiligen Situation passen
- Nutzerzentriert: Nicht das schreiben, was das Unternehmen sagen will, sondern das, was Nutzer und Nutzerinnen wirklich weiterbringt
- Visuell abgestimmt: Text und Design sollten sich gegenseitig unterstützen, nicht behindern
Was für uns beim Schreiben logisch erscheint, muss es für andere nicht auch sein. Daher lohnt sich oft ein Perspektivenwechsel oder ein zweites Augenpaar, das die Texte prüft.
9 Tipps für bessere UX-Texte
Wie lassen sich diese Merkmale nun in die Praxis umsetzen? Wir haben neun nützliche Tipps für dich zusammengefasst. Viele davon basieren auf Beispielen und Übungen aus meinem Studium.
1. Terminologie
Bleibe bei einem Begriff pro Funktion. Vermeide eine Mischung aus «Warenkorb», «Einkaufswagen» und «Shopping Cart».
2. Struktur
Ein Gedanke pro Absatz. Nutze Zwischentitel, Listen und Abschnitte. Denn oft überfliegen Menschen Inhalte nur, statt sie vollständig zu lesen.
3. Frontloading
Das Wichtigste zuerst. Schreibe Sätze so, dass die Hauptinformation am Anfang steht. Das gilt besonders für Buttons, Überschriften und Hinweise.
4. Aktiv und direkt
«Wir senden dir eine Bestätigung» ist einfacher und klarer als «Eine Bestätigung wird dir zugesendet».
5. Konkret statt abstrakt
«Wir geben dir ein Smartphone.» Was bedeutet das? Leihen? Schenken? Verkaufen? Sei klar und konkret. Besser wäre «Du bekommst das Smartphone geschenkt.».
6. Logik statt Floskeln
Vermeide Floskeln und Redewendungen (z. B. «in aller Munde», «mit Hochdruck»). Sie sind nicht hilfreich und verwirren mehr, als dass sie helfen.
7. Ja statt Nein
Statt «Nicht vergessen: Passwort ändern» lieber eine positive Formulierung wählen, z.B.: «Denk daran, dein Passwort zu ändern».
8. Relevanz vor Vollständigkeit
Weniger ist mehr. Schreibe nur das, was wirklich weiterhilft. Lass überflüssige Adjektive, Hintergrundinfos oder Füllwörter lieber weg.
9. Verben statt Nomen
Statt «benötigen» besser «brauchen», statt «Verfügbarkeit» besser «ist verfügbar». Der Einsatz von Nomen kann das Lesen im UX-Writing unnötig erschweren.
Und wer ist eigentlich verantwortlich für UX-Writing?
Damit all diese Tipps in der Praxis funktionieren, braucht es nicht nur ein bisschen ein Gespür für Sprache, sondern auch klare Zuständigkeiten im Projektteam. Oft wird nämlich angenommen, dass Texter:innen, Kund:innen oder das Marketing das Texten übernehmen.
Aber UX-Writing unterscheidet sich jedoch deutlich vom klassischen Copywriting. Bei dieser Art von Texten geht es vor allem um Werbung und Verkauf, wohingegen es beim UX-Writing darum geht, das Verständnis und das Weiterkommen zu fördern. Deshalb sollte UX-Writing grundsätzlich Teil der Konzeption oder des Produktdesigns sein und auch entsprechend behandelt werden.
Idealerweise arbeiten UX, Entwicklung, PM und Kunde von Beginn an gemeinsam an der Sprache einer digitalen Anwendung. Und nicht erst am Ende, wenn das Ergebnis schon steht. Denn Sprache ist kein unwichtiges Beigemüse. Sie ist Interface.

Fazit: Sprache ist UX
UX-Writing ist mehr als ein paar Wörter auf Buttons oder in Fehlermeldungen. Es ist Teil der Gestaltung und bildet die Basis dafür, dass digitale Anwendungen einwandfrei funktionieren. Wer Sprache bewusst einsetzt, schafft Orientierung, Vertrauen und bessere Nutzererlebnisse. Und das lohnt sich. Für alle.