London, ein MacBook und ein Perspektivenwechsel
Während drei Monaten hatte ich die Möglichkeit, meine Arbeit als UX- und UI-Designerin mit dem Alltag in meiner Herzensstadt London zu verbinden. Mein Arbeitsplatz war für diese Zeit ein kleines Airbnb mitten in der Stadt, irgendwo zwischen Parks, Museen und Cafés.
Was ich dabei nicht erwartet hätte: Der Tapetenwechsel hat auch meinen Blick auf die eigene Arbeit verändert. Wenn man für eine Weile aus den gewohnten Abläufen heraustritt, fallen plötzlich Dinge auf, die man sonst selten hinterfragt. Routinen wirken weniger selbstverständlich, und Entscheidungen, die man sonst automatisch trifft, erscheinen plötzlich weniger eindeutig.
Diese Erfahrung hat mich auch an etwas erinnert, das in unseren UX-Projekten oft entscheidend ist: Manchmal braucht es zuerst ein bisschen Distanz, bevor man versteht, worum es wirklich geht.
Viele digitale Projekte beginnen mit der falschen Frage
In Gesprächen mit Kundinnen und Kunden hören wir häufig dieselben Sätze:
«Wir brauchen einfach eine neue Website.»
Oder: «Unser Design ist veraltet.»
Das ist völlig verständlich. Aber schnell drehen sich die Diskussionen dann um Layouts, Farben oder neue Funktionen. Wie soll die Startseite aussehen? Welche Features sind heute Standard? Was ist gerade im Trend?
Doch genau hier setzen wir bei instride bewusst einen Schritt früher an. Statt sofort über Design zu sprechen, versuchen wir zuerst herauszufinden:
- Wer sind eigentlich die (End-)Nutzenden?
- Welche Probleme sollen wirklich gelöst werden?
- Welche Ziele verfolgt das Unternehmen mit der digitalen Lösung?
Wenn diese Fragen zu Beginn nicht geklärt werden, passiert etwas, das viele Unternehmen kennen: Es entsteht eine Lösung, die technisch zwar funktioniert und vielleicht auch gut aussieht, sich aber trotzdem irgendwie nicht richtig anfühlt. Und genau hier beginnt UX.
UX ist mehr als nur Design
Viele verbinden UX automatisch mit Design. Mit Farben, Icons oder einer schönen Oberfläche. Und ja, Design spielt dabei eine wichtige Rolle, aber es ist nur ein Teil der Arbeit. In den meisten Projekten macht es nämlich viel weniger aus, als man zunächst vermutet.
Denn UX bedeutet vor allem:
- Probleme verstehen
- Bedürfnisse analysieren
- Ziele definieren
- Entscheidungen vorbereiten
UX dient damit als Bindeglied zwischen Kundinnen und Kunden, Nutzenden und unserem Entwicklungsteam. Damit diese verschiedenen Perspektiven zusammenfinden, arbeiten wir bei instride mit einem klar strukturierten UX-Prozess in drei Phasen.
Dieser orientiert sich an den Prinzipien des User-Centered Design und hat sich über viele Projekte hinweg weiterentwickelt. Die drei Phasen sind: Verstehen, Erforschen und Umsetzen.

Unser UX-Prozess bei instride
1. Verstehen
Am Anfang eines Projekts steht nicht das Design, sondern das Verstehen. Wir lernen das Unternehmen kennen, seine Ziele, die beteiligten Personen und den Kontext des Projekts. Dabei versuchen wir herauszufinden, welches Problem eigentlich wirklich gelöst werden soll.
Typische Aktivitäten in dieser Phase sind zum Beispiel:
- Bedürfnisanalysen
- Kickoff-Workshops mit Stakeholdern
- Analyse von Markt und Konkurrenz (siehe Blogbeitrag zu diesem Thema)
- Interviews mit Projektbeteiligten
- Erste Nutzeranalysen
Das Ziel dieser Phase ist klar: Erst wenn wir das Problem wirklich verstanden haben, beginnen wir, über mögliche Lösungen nachzudenken.
2. Erforschen
Sobald herausgefunden wurde, welche Herausforderungen ein Projekt mit sich bringt, beginnt die Phase des Erforschens oder Konzipierens. Hier entwickeln wir ein tieferes Verständnis für die zukünftigen Nutzenden und strukturieren mögliche Lösungen.
Typische Methoden in dieser Phase sind zum Beispiel:
- Personas und User Journeys
- Informationsarchitektur und Content-Struktur
- Use Cases und User Stories
- Erste Wireframes
In dieser Phase entsteht immer noch kein Design. Stattdessen entwickeln wir eine Grundlage, auf der spätere Entscheidungen aufbauen können und viele Diskussionen gar nicht erst entstehen.
3. Umsetzen
Erst jetzt beginnt der Teil, den viele spontan mit UX verbinden: das Design. Hier entstehen erste visuelle Konzepte und interaktive Prototypen. Diese werden getestet, angepasst und Schritt für Schritt weiterentwickelt.
Dazu gehören beispielsweise:
- Moodboards und Designprinzipien
- UI-Designs und Prototypen
- Designsysteme (siehe Blogbeitrag zu diesem Thema)
- Usability-Tests
Der Prozess bleibt dabei immer iterativ. Feedback von Nutzenden und Projektbeteiligten fliesst optimalerweise kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein.
Warum dieser Ansatz so wichtig ist
Warum wir diesen Weg gehen? Weil wir in vielen Projekten erlebt haben, was passiert, wenn man ihn nicht geht. Viele digitale Projekte starten direkt mit Design oder Entwicklung. Dadurch entstehen oft dieselben Probleme: Funktionen werden umgesetzt, die später kaum genutzt werden. Strukturen werden kompliziert und Inhalte sind schlecht auffindbar.
Unser heutiger UX-Prozess ist genau aus solchen Projekterfahrungen entstanden. Dieser strukturierte Ansatz hilft uns dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und begründetere Entscheidungen zu treffen. Der Aufwand verlagert sich bewusst an den Anfang des Projekts: Mehr Zeit am Anfang bedeutet später weniger Korrekturen. Unsere Projekte verlaufen seitdem effizienter und die entstandenen Lösungen funktionieren langfristig besser.
Oder anders gesagt: Man investiert zuerst Zeit ins Verstehen, bevor man Ressourcen in die Umsetzung steckt.
Lass uns gemeinsam einen Schritt zurücktreten
Planst du gerade ein neues digitales Projekt oder fühlt sich deine aktuelle Lösung nicht mehr stimmig an? Manchmal hilft der Blick von aussen, um die entscheidenden Fragen zu erkennen. Lass uns gemeinsam einen Schritt zurücktreten und herausfinden, was deine Nutzenden wirklich brauchen, bevor wir den ersten Pixel setzen.